A little bite in the Apple – An Englishman in New York
23. Januar 2010
“Takes more than combat gear to make a man,Takes more than a license for a gun, Confront your enemies, avoid them when you can, A gentleman will walk but never run.
I’m an alien I’m a legal alien, I’m an Englishman in New York, I’m an alien I’m a legal alien, I’m an Englishman in New York.”
(q. Sting, Englishman in New York)
Passt doch ganz gut oder? Nun ja, nur wenn man weiß, wo ich meinen ersten Urlaub nach gut fünf Monaten verbracht habe. Im Gegensatz zu einigen meiner Co-worker Kollegen, habe ich mich während der Ferienzeit nicht auf ins verschneite Deutschland gemacht. Ich habe mir einen sehr lange gehegten Traum erfüllt. Endlich einmal die Stadt zu sehen, die im Gegensatz zu London, nicht zu Bett geht – ich spreche von New York City oder vielmehr Downtown, Midtown und Uptown Manhattan.
Aber zuerst einmal, ja ihr habt richtig gehört, mein erster Urlaub nach fünf Monaten. Nicht schlecht oder, vor allem wenn man bedenkt, dass ich ja noch weitere kaum flexible zwölf Urlaubstage für den Rest des Jahres habe. Wer braucht schon Semesterferien, wenn er Freiwilliger ist und 6x12h arbeitet… Naja heißt im Endeffekt, man sollte die Zeit möglichst gut nutzen und ich glaube da habe ich mit meinem letzten Urlaub einen ganz guten Griff gemacht.
Wirklich gut angefangen hat mein erster Urlaubstag eigtl. nicht, da ich mir nämlich bei dem ersten Blick aus dem Fenster erstmal Gedanken machen konnte, ob ich überhaupt den alten Kontinent heute verlassen. London war genauso verschneit wie der Rest Europas und über gestrichene Flüge hatte man ja in den letzten Tagen genug gehört. Trotzdem hab ich es dann bis 06:00am nach Heathrow geschafft, um dann zahlreiche lästige aber ja anscheinend notwendige Sicherheitskontrollen über mich ergehen zu lassen. Gegen halb zehn saß ich dann auch endlich im Flieger und gegen die Mittagszeit befand ich mich über dem Atlantik und konnte die Aussicht, das heißt Wasser, bei klarem Sonnenschein bedenken. Währenddessen durfte ich noch lustige Fragen, wie “Waren sie jemals ab terroristischen Anschlägen oder Spionage-Missionen”, beantworten, um mir die Zeit ein wenig zu vertreiben.
Gegen die Mittagszeit (man bedenken die Zeitverschiebung) landete ich bei Sonnenschein und klarem blauem Himmel auf dem JFK-Airport in New York. Und wie soll es auch anders sein ertönte über die Lautsprecher Frank Sinatra mit “New York New York”. Naja wirklich in Amerika war ich ja noch nicht, ich musste mir ja noch einen Stempel abholen. Und werweiß, ob man mir am Ende nicht doch noch zahlreiche Unterhaltungen mit der Hamas oder Kim Il Jong&Co nachweißt… Dem war aber zum Glück nicht so, ich erhielt den begehrten Stempel und setzte den ersten Schritt auf amerikanischem Boden. Was mir irgendwie direkt klar wurde ist, dass man den Amerikanern ansieht, dass Sie Amerikaner sind, fragt mich nicht nach einer genauen Begründung, vlt. lag es auch nur daran, dass ich mir wenige Tage zu vor den ein oder anderen “Die Hard“ Film angesehen habe. Und selbst wenn man es ihnen nicht ansieht, spätestens wenn man Sie hört wird es einem klar. Wurde ich bis jetzt mit bestem “British English” verwöhnt, durfte ich mir nun bestes Kaugummi-Englisch anhören.
Nach unzähligen Subway-Stationen und einer im Gegensatz zur sanften Fahrt, in der Londoner Tube, recht harschen Fahrt, kam ich endlich an der 116st an, genauer gesagt in Harlem. Das hört sich aber jetzt nur schlimmer an, als es eigentlich ist. Zwar kann ich nicht leugnen, dass auch ich ein recht komisches Gefühl im Magen hatte, als ich zum ersten Mal die zwei Straßen zu meinem Hostel entlang gegangen bin. Aber im Endeffekt war es wirklich nur ein blödes Gefühl im Magen. Recht schnell wurde mir klar, dass das kriminelle Harlem, wo man als “Nicht Afro Amerikaner” nicht wirklich gerne gesehen wurde, nicht mehr existiert. Zwar ist es immer noch ein durch und durch afro-amerikanisches Viertel, dies bringt aber nur kulturelle Vorteile mit sich, wie ein klasse Jazz Club vor der Haustür!
Nun ja endlich im Hostel angekommen, habe ich eigentlich nur meine Sachen in den Spind geworfen und mich zurück zur U-Bahn aufgemacht. Nächster Stopp – Times Square!
Bedenkt man Ressourcen-Knappheit , Energie-Verschwendung und vor allem “10-Watt Energie-Sparlampen” sollten Plätze wie dieser eigentlich ja verboten sein. Aber es ist ja Urlaub und wir wollen mal nicht so sein. Wahrscheinlich werden wohl auch am Times Square zuletzt die Lichter ausgehen… Es ist einfach nur verrückt was sich einem darbietet, wenn man sich dem ehemaligen New York Times Square und dem wohl bekanntesten Platz für einen gemütlichen Sylvester-Abend nähert. Ich meine, ich war ja schon begeistert, als ich das erste mal den Piccadilly Circus in London gesehen habe aber im Gegensatz dazu, ist dieser noch nicht mal eine schlechte Kopie. Das Treiben am Times Square ist eigtl. gar nicht so interessant, da sich dort eh nur Touristen aufhalten… aber die ganzen Lichter sind halt doch schon ganz schön anzusehen. Den Tageszeiten wechselt bekommt man am Times Square eigtl. nur dadurch mit, dass alles noch mehr blinkt und unnatürlich hell ist. Da sich langsam mein Appetit bemerkbar machte und ich von dem köstlichen Flugzeug essen nicht wirklich gesättigt war machte ich mich auf zum ersten kulinarischen Highlight dieses Urlaubs. Dank dem TimeOut-Magazin ein ein wenig umlaufen einiger Blocks fand ich das japanische Restaurant Ippudo in Downton Manhattan. Endlich den Touristen-Massen entkommen, mischte ich mich unter das junge Manhattan und genoss köstliches Ramen (fantastisch japanische Suppe mit u.a. Ente, Nudeln, Chilli), eine fantastische Limetten-Kokos “Pana-Cotta”. Wirklich satt und auch ein wenig müde machte ich mich dann irgendwann auch wieder auf in Richtung Harlem. Ein kurzer Blick auf die Spitze des Chrysler Buildings und zurück ging es in den Untergrund. Am nächsten Tag sollte mein Urlaub ja erst wirklich beginnen…
Das erste was an meinem zweiten Tag auf dem Plan stand, war ganz hoch hinaus, genauer gesagt auf das Dach des Rockefeller Center, um sich erst einmal einen groben Überblick zu verschaffen. Man muss die neue Stadt ja einmal kennen lernen. Kennt wahrscheinlich jeder diesen Blick von Bildern und Filmen, sah ich alles an diesem Tag mit eigenen Augen und ich kam aus dem staunen gar nicht mehr wirklich raus. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, wie das Wetter war, blauer Himmel und Sonnenschein (aber ganz schön alt, wenn man nicht in der Sonne war). Weil der Ausblick einfach nur fantastisch ist und man dort wirklich Stunden verbringen kann, bin ich mehrer Runden gegangen und haben den Ausblick einfach nur in Ruhe genossen. Ein kleiner Tipp für jeden, der sich einmal nach New York aufmacht und vor der Entscheidung steht, auf welchen Turm er den nun gehen soll, da es schon ganz schön teuer ist, sollte auf das Rockefeller Center gehen. Den wenn man auf dem Dach des Empire State Building steht, ist man zwar ganz oben aber es ist unmöglich eines der Wahrzeichen New Yorks zu sehen, das Empire State Building. Nachdem ich dann noch dem “Home-Alone”-Weihnachtsbaum einen Besuch an seinem letzten Tag abgestattet habe, hab ich mich auf nach Brooklyn gemacht, raus aus Manhattan.
Ganz sicher hatte ich noch nicht genug Manhattan aber Brooklyn bietet einzigartige Ausblicke auf die Skyline New Yorks und natürlich auf die Brooklyn Bridge. Über die Brücke ging es dann auch gemächlich zurück nach Downtown Manhattan. Irgendwann fand ich mich am Ufer mit Blick auf die Statue of Liberty wieder und das Timing hätte nicht besser sein können. Die Sonne hatte gerade begonnen hinter der Freiheitsstur zu verschwinden und ich durfte mir einen malerischen Sonnenuntergang ansehen. Alles war in ein tiefes Orange getaucht und die letzten Sonnenstrahlen reflektierten auf den Glasoberflächen der Wolkenkratzer. Ein wunderbarer Abschluss möchte man sagen… aber ich hatte ja noch nichts gegessen und ich war ganz schön außer atmen. Die Wahl heute viel auf ein Restaurant mit dem Namen “Spotted Pig”. Die Einrichtung erinnert ganz stark an einen schönen englischen Pub und nicht wirklich an ein Restaurant, täuschen lassen sollte man sich aber nicht. Soweit ich weiß, hat das Restaurant einen Michelin-Stern und der Besitzer hat mit Jamie Oliver zusammen im River Cafe in London gearbeitet. Wie auch immer, ich bestellte mir einen so genannten “Roquefort Burger with shoestring frech fries”. Der Burger war fantastisch, das Fleisch perfekt Medium gebraten und die Pommes hatten sicherlich die ungewöhnlichste Form die ich jemals gesehen habe, wie Schnürsenkel eben.
Gegen Abend fand ich mich dann irgendwann auch wieder im Hostel an, wo ich mich am Morgen mit einer Reisenden aus Australien verabredet hatte. Genauso wie ich und viele andere auch, hatte Sie sich auch alleine nach New York aufgemacht, um diese Stadt endlich mal zu sehen. Sie hatte sich die Reise nach New York und einigen anderen Teilen zum gerade bestandenen Jura-Studium gegönnt, ich musste einfach mal nur in die “normale”-Welt. Gemeinsam haben wir uns dann in Harlem auf die Suche nach einem Jazz-Club gemacht und wir haben wohl einen der besten gefunden. Sobald wir zur Tür rein gingen, fanden wir uns zurück in die 60er oder 70er versetzt. Eine fantastische Live-Band spielte besten Jazz, der Boss des Clubs sahs mit Zigarre und Hut am Tresen und ich hatte endlich mein erstes Bier in den Staaten, bin ja noch keine 21… Ist aber kein Problem, wenn man nicht zu Plätzen geht, wo man nicht wenigstens Studenten trifft. Wie gesagt der Abend endete mit wirklich gutem Jazz von Seele und als ich dann auch endlich im Bett lag, sind mir die Augen umgehend zugefallen.
Eines wollte ich unbedingt machen, wenn ich in New York bin, und das war mindestens eine Runde im Central Park laufen gehen. Als ich dann am frühen Morgen des dritten Tages nach draußen schaute hatte ich dafür auch das perfekte Wetter, alles war in weißen Schnee gehüllt.
Die Runde im Central Park war einfach nur fantastisch, all die New Yorker die genauso wie ich früh auf den Beinen waren um eine Runde zu drehen, die Skyline, welche sich hinter dem Central Park, wie eine Wand erhebt und der gerade gefallene Schnee unter meinen Füßen. Und ein wenig Sightseeing gab es währenddessen auch, unter anderem lief ich am Plaza Hotel vorbei, am “Metropolitan Mueseum of Art” und dem weltberühmten “Guggenheim-Museum”.
Wieder zurück im Hostel gab es erstmal einen heiße Dusche zum aufwärmen (rund minus 5 Grad) und anschließend ein reichhaltiges Frühstückt mit “Bageln” und Kaffe. Irgendwie kam ich dann mit jemandem aus Nepal ins Gespräch und diskutierte mit ihm sicherlich über eine Stunde über Politik&Co.
Irgendwann war ich dann auch mal in New York und landete recht unabsichtlich in einer “Bücherei”. Nun ja etwas größer als eine Bücherei ist die “New York Public Library” dann doch schon. Von außen ein vielleicht eher unscheinbares Gebäude, umringt von Wolkenkratzern, aber von innen sicherlich ein Juwel New Yorks. Zahlreiche Fresken zieren die Decken und der “Leseraum” ist einfach nur riesig und zugleich wohl mit der ruhigste Ort von ganz New York.
Die Library befindet sich direkt auf den berühmten Shopping-Meile New Yorks, der 5th Avenue. Ich fand sie jetzt persönlich weniger berauschend, abgesehen von den Wolkenkratzern unterscheidet sie sich nicht wirklich von der Oxford Street kombiniert mit der Bond Street in London. Das heißt, dass man hier vor allem aller Welsmarken antrifft. Mag die eigtl. 5th Avenue für mich weniger interessant sein, so befindet sich doch einiges interessantes und sehenswertes in nächster Nähe von ihr. Beispielsweise das Empire State Building, die Grand Central Station und das Chrysler Building oder das “MoMA – Museum of Modern Art”.
Zu aller erst muss gesagt werden, dass ich ein absoluter Kunst-Banause bin, ich kenne vielleicht hier und da ein paar Namen aber debattieren könnte man mit mir über Kunst sicherlich nicht. Nichtsdestotrotz wollte ich mir doch die ein oder andere Galerie ansehen, darunter unter anderem auch das “MoMA”. Leider war es an diesem Abend recht voll und laut, das der Eintritt frei war. Da liegt ein ganz großer Vorteil bei den Londoner Galerien, sie sind in der Regel frei und damit nicht an bestimmten Tagen vollkommen überlaufen. Als armer Co-worker blieb mir aber nicht wirklich eine andere Wahl. Was immer wieder komisch ist, wenn man das ein oder andere Gemälde, dass man schon unzählige Male gesehen hat (Dank an meine ehemaligen Kunstlehrer), dann doch auch mal mit eigenen Augen sieht. Selbst ich nehme es dann anders war. Vielleicht ein Zugang zur Kunst? Wer weiß, was ich aber definitiv an diesem Abend gemerkt habe, dass ich mir ein paar Gemälde doch schon eine ganze Zeit mit Interesse und einem einfach guten Gefühl ansehen kann. Warum mir insbesondere Monets Werke sehr gefallen, kann ich nicht wirklich begründen und muss es glaub ich auch nicht. Es ist halt Kunst und jeder nimmt Sie war, wie er will.
Besonders lustig war der Fakt, der auch mich in dieses Museum getrieben hat, einfach um zusagen mal dagewesen zu sein. Ich denke mit mindestens siebzig Prozent der restlichen Besucher hält es sich da nicht anders, wenn man sich einmal anschaut, wie sie sich durch die Galerie bewegen und die Gemälde betrachten oder eben nicht.
Den kulinarischen Abschluss an diesem Abend bildete der angeblich beste Burger der Stadt, welchen man im “Burger Joint” im noblen “Le Parker Meridien-Hotel“. Der erste Gedanke der mir hier kam war, “Hier bin ich definitiv falsch!”. Aber dem war nicht so, gleich hinter dem Tresen links befand sich ein kleiner Gang, der zum Imbiss führte und dann hieß es erst einmal warten. Zum Glück war die Schlange nicht zu lang und nach gut fünfzehn Minuten konnte ich dann auch endlich bestellen. Der Burger war richtig gut. Nicht so ausgefallen wie der gestrige, deswegen aber nicht weniger schlecht. Und wenn man seine Augen an der Wand wandern lässt begegnet einem der ein oder andere bekannte Prominente, der sich mit seinem Namen an der Wand verewigt hatte.
Zurück im Hotel traf ich am späteren Abend wieder auf meinen Gesprächsparten vom Morgen und dreien sehr netten französisch-kanadischen Damen aus Quebec. Zwei von ihnen, die anscheinend angehende Künstlerinnen waren, sind nur der Galerien wegen nach New York gekommen und die andere war auf der suche nach einem Job als Neuro-Psychologin. Irgendwann stieß dann auch noch jemand aus Brasilien zu uns und was dann folgte war ein feucht fröhlicher Abend mit vielen interessanten Gesprächen. Irgendwann gegen drei Uhr war dann halt nur noch eine Künstlerin und ein Engländer wach…
Am vierten Tag bin ich nach drei Stunden schlaf um zehn Uhr definitiv am spätesten aufgestanden aber der Abend war ja ganz nett…
Wieder einmal mit “Bageln” und Kaffe gestärkt machte ich mich auf nach Downtown Manhattan, um die Fähre nach Staaten Island zu nehmen, um mir eine recht alte Dame doch mal etwas näher anzusehen. Übrigens wieder mit blauem Himmel und Sonnenschein. Bei der alten Dame handelt es sich natürlich um die Statue of Liberty. Diese befindet sich aber eigtl. gar nicht auf Staaten Island. Trotz sollte man meiner Meinung nach diese kostenlose Fähre doch unbedingt nehmen, weil einem wunderbare Panorama Möglichkeiten auf die Skyline New Yorks, mittlerweile auch ein wenig New Jerseys und natürlich die Statue of Liberty geboten werden. Außerdem vermeidet man lange Wartezeiten, Touristenmaßen und ein paar Dollar für die Fähre. Natürlich ist die alte Eisen Dame, das Symbol New Yorks aber 2h dafür warten, um sie dann nur vom Fuße zu sehen? Sicherlich ist es auch ein schöner Trip aber so interessant war es für mich dann doch nicht.
Wieder in Manhattan angekommen, war es nur eine Katzensprung ins “noch” Finanzzentrum der Welt. Und angesichts des Wochenendes waren die Straßen der Wallstreet leer gefegt. Perfekt also, um sich alles mal in Ruhe anzusehen, wenn das normale Treiben sicherlich auch interessant ist. Für die Damen der Broker sicherlich interessant, ist der Tiffany Shop, welcher sich fast gegenüber der New Yorker Stock Exchange befindet. Genauso, wie bei vielen Gebäuden oder Sehenswürdigkeiten, war es auch bei der New Yorker Börse ein komisches Gefühl wirklich davor zu stehen. Eigentlich kenne wir ja alle diese Stadt aber dann mal da zu sein ist schon ein etwas anders.
Die Federal Reserve Bank befindet sich auch gleich um die Ecke. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege aber ich glaube hier liegt mehr Gold als in Fort Knox, sicher bin ich mir aber nicht. Wie dem auch sei, von außen sieht man natürlich nichts, das Gebäude hat nicht wirklich Fenster, eigentlich ist es ein Bunker mitten in New York. Wenn man eh schon auf dem Weg von der Wallstreet in Richtung Uptown ist, kann man hier einmal kurz halt machen und ein wenig träumen.
Nun ja in Downtown befindet sich noch etwas wo man unbedingt einmal halt machen sollte, Chinatown. Ich meine so was haben wir ja auch hier in London, aber in Gegensatz zu London, wo es wirklich mehr eine Touristenattraktion ist, ist es in New York wirklich eine kleine Stadt. Ich rede nicht von ein oder zwei Straßen, sondern von mehrer Blocks die sich über die Mitte Downtowns erstrecken. Auch wenn ich noch nie in China war, ich Amerika war ich sicherlich nicht mehr. Mit einem Block beginnt wirklich eine komplett neue Kultur. Was sehr kurios ist, ist das sich Little-Italy direkt neben an befindet. Es ist etwas kleiner und besteht im Grunde nur aus ital. Restaurants die sich aneinander Reihen und ein paar paradiesischen Feinkostläden. Ich hatte mich aber für diesen Abend aber schon mit extra scharfen koreanischen Nudeln eingedeckt, welche mittlerweile schon zu einem Grundnahrungsmittel, dank meiner drei koreanischen Girls, geworden ist.
Bevor ich an diesem Morgen auf die Fähre gegangen bin habe ich mir noch einen anderen Platz angesehen, der die Welt ganz schön verändert hat. Es ist nicht wirklich schwer zu erraten wovon ich rede, Ground Zero. Hmm, was soll ich darüber sagen… Man sieht zunächst einmal nichts, das ganze Gelände ist mit einem blauen Zaun umkleidet, nur die ersten Stockwerke des WTC-Memorials erheben sich langsam empor. Geht man einmal herum und blickt einfach nur auf die Fläche wo die Türme eigentlich stehen sollte, wird einem umgehend ein wenig komisch und vor allem fehlt wirklich etwas. Eine so große leere Fläche sieht einfach nicht normal aus. Eine der schrecklichen Erinnerungen des vergangene Jahrzehnts.
Wieder im Hostel traf ich wieder die französischen Kanadierinnen, die gerade von einem weiteren Museum kamen. Leider, leider sind sie oder eben sie an diesem Abend auch schon wieder abgereist. Nach einer kleinen Verabschiedung machte ich mich dann auch auf ins Bett, hatte ja schließlich einiges an Kilometern gemacht.
Zum Frühstück an meinem vor-letzten Tag in New York gab es ein wenig Kunst. Das “Solomon R. Guggenheim Museum” stand auf dem Plan. Das Gebäude ist im Grunde schon Kunst für sich selbst aber auch die Kunstwerke im inneren machen den Besuch und den vielleicht etwas hohen Eintritt wirklich wert. Zwar verstand oder verstehe ich noch immer nichts von Kunst aber mit ein wenig Musik im Ohr habe ich mich doch in dem ein oder anderen Gemälde ein wenig verloren. Nur der Hauptausstellung von Kandinsky konnte ich nicht wirklich etwas abgewinnen. Die Werke sind sicherlich großartig und auch sehr schön oder wohl eher ein wenig merkwürdig/interessant anzusehen. Aber beim besten Willen konnte ich nicht sagen, was er eigtl. sagen wollte oder beabsichtigt hatte. Ich bin nicht wirklich zu ihm durchgedrungen aber wie gesagt, es ist halt Kunst. Monet war hingegen wieder schön wiederzusehen. Seine subjektive Auffassung der Schönheit der Natur oder der Umgebung in der er sich befindet ist wundervoll anzusehen.
Da sich der Central Park direkt vor der Haustür des Guggenheim Museums befindet, habe ich es mir nicht nehmen lassen, eine kleine oder große Runde durch den Central Park zu drehen. Man sollte immer mal wieder einige Momente verweilen, vor allem, wenn man um den großen See in der Mitt geht, der Anblick bei blauem Himmel ist atemberaubend (Diesen wissen übrigens auch die ein oder anderen Polizisten zu schätzen, die man ab und an angelehnt an einem Baum im Central Park trifft).
Nachdem ich mir ein paar Zutaten besorgt hatte machte ich mich am Abend auf in die Küche des Hostels, um ein wenig zu kochen. Ich glaube ich war wirklich der einzige, der zumindest an diesem Abend hier gekocht hat. Zwar hat jeder gegessen aber nun ja, die Zubereitung dessen, kann man nicht wirklich kochen nennen. Durch eine etwas zu große Portion für mich und eine recht angenehme Geruch in der Luft kam ich auch dann wieder mit ein paar Leuten ins Gespräch. Man muss sich wirklich keine Gedanken machen, wenn man nach New York alleine kommt, es tun so viele Menschen aus aller Welt und aus dem selben Grund. Einfach um die Stadt mal zu sehen. Die Gespräche mit all den Leuten aus aller Welt waren wirklich gut und interessant. Ich merke langsam für mich selbst, dass die Welt wirklich immer kleiner wird…
Der letzte Tag in New York und ich verließ gleich zweimal die USA, einmal am frühen Morgen und am späten Abend.
Am Morgen machte ich mich, zusammen mit der Australierin vom zweiten Tag, auf zum Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Das Gebäude in New York mit seiner Glasfassade und dem East River ist wohl das bekannteste der UN. Und wie gesagt, sobald man einen Fuß in das Gebäude setzt, befindet man sich nicht mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir schlossen uns einer kleinen Tour an, um das Gebäude ein wenig mehr zu sehen. Zunächst einmal, es ist in einem sehr, sehr, sehr schlechten Zustand, wahrscheinlich wohl eines mit der ältesten Einrichtung in New York. Bei dem Knappbemessenen Budget aber auch nicht wirklich verwunderlich… Nichtsdestotrotz strahl das Gebäude eine unglaublich Atmosphäre aus, vor allem wenn man sich im riesigen Plenarsaal befindet überkommt einem die Lust die Welt ein wenig zu verändern. Wenn man der Tour aber aufmerksam folgt und sich auch sonst ein wenig für Politik interessiert, weicht diesem Gefühl recht schnell Ernüchterung. Natürlich geht es um Geld und macht man sich bewusst, dass die Welt alle paar Tage mehr Geld für Militär ausgibt (oder denken wir nur einmal an die (Hundert-)Milliarden für unsere lieben Banken), als der UN im ganzen Jahr für Friedensmissionen, Wiederaufbau und dem Kampf gegen Armut, Hunger und für Bildung in der Welt zur Verfügung steht, kommt einem alles ein wenig wie schlechtes Theater vor. Was bleibt einem da anders übrig, als zu sagen: Globale Probleme sind nicht national lösbar, bringt die Grenzen aus eurem Kopf!
Nun den, zu politisch will ich jetzt und wollte ich an diesem Tag auch nicht werden. Es ist einfach nur traurig, dass wir anscheinend Hundert-Milliarden “haben” und in kürzester Zeit für alles was Geld und Macht bedeutet aufbringen können, es aber nicht schaffen, mit noch nicht mal einem Bruchteil dessen jedem Kind in der Welt Bildung vor allem Nahrung zum überleben zu ermöglichen. Vielleicht sollte man sich bewusst machen, dass dort auch Wachstum liegt.
Vielleicht jetzt ein wenig unpassend aber nach dem Besuch bei der UN gingen wir ins East Village, wo wir ein kleines venezolanisches Restaurant auf, wo ich wunderbare “Arepas” (trad. gefüllte Teigtaschen aus Maismehl) und eine leckere Kürbissuppe hatte. Danach musste ich mich auch schon auf machen, in Richtung Hostel und dann zum John F. Kennedy Airport, um meinen Flug zurück nach London zu nehmen.
Den letzten Blick auf New York oder vielmehr die Ostküste Amerikas habe ich vom Flugzeug aus geworfen, alles war in gelbes Licht getaucht und bildete eine unglaublichen Kontrast mit dem schwarzen Atlantik. Auf dem Flug nach London sah ich ein wunderschönen Sichelmond und wohl mit einen der schönsten Sonnenaufgänge, die ich bis jetzt gesehen hatte. Es viel mir einfach schwer zu schlafen nach dieser Woche und während so gut wie jeder andere im Flugzeug die Augen geschlossen hatte sah ich mir die aufgehende Sonne in zehntausend Metern Höhe an… definitiv einer der besten Urlaube, die ich bis jetzt hatte.
Eines muss ich aber noch los werden, ich denke mittlerweile, dass ich es eher bevorzugen würde in London zu leben, als in New York. New York ist definitiv eine atemberaubende Stadt und jeder sollte dort mindestens einmal in seinem Leben gewesen sein. Aber das Leben in London sehe ich etwas moderner, internationaler, etwas schneller aber gleichzeitig auch gemütlicher als in New York. Was aber auch gesagt werden muss, London geht definitiv zu Bett und der Park in NYC ist um einiges besser. Was mir aber ein wenig fehlen würde und was vor allem New York nicht besitzt, sind Ecken wie „Covent Garden“ oder die „Southbank“. Letzten Endes hätte ich aber auch nichts gegen ein kleines Penthouse in New York mit Blick auf den definitiv besten Park einzuwenden…
In diesem Sinne noch alles Gute und bis irgendwann dann…
A Christmas Story
26. Dezember 2009
Dieses Jahr, ist alles anders und da ist es keineswegs verwunderliche, das auch Weihnachten nicht ganz so verläuft, wie man es sich vorstellt. Bevor ich meinen Dienst angetreten habe, war mir schon relativ klar, dass ich um dieses Zeit voraussichtlich nicht zu Hause sein werde. Das kann man wohl unter den negativen Seiten eines Auslandsjahres verbuchen. Zwar sind es nur ein paar Tage aber wenn man nicht da ist, lernt man sie wirklich zu schätzen.
Das ich Weihnachten aber nicht im Kreise meiner Familie verbringen konnte war aber nur eine Sache die dieses Jahr anders war. Zuerst einmal muss gesagt werden, dass am Abend des 24. Dezember hier nicht wirklich gefeiert wird und an eine Bescherung ist gar nicht erst zu denken. Die gab es erst am 25. Dezember und auch nicht wie ich erst erwartet habe am Morgen sondern erst am Nachmittag, nach dem ausgiebigen Christmas Dinner.
Ach ja, das Christmas Dinner…Was war das doch schön als kleiner Junge die Treppe runter zu laufen, nachdem man das Glöckchen gehört hat, seine Geschenke aufzureißen und anschließend das wunderbare essen seiner Ma zu genießen. Dieses Jahr war es kein Glöckchen, es war eine Glocke und ich habe sie geschlagen, nachdem ich rund vier bis fünf Stunden und ein Christmas Dinner für zehn Personen auf die Beine gestellt hat, was sich glaube ich sehen lassen kann.
Eines muss ich vorweg sagen, es hätte sicherlich noch einmal halb so lange gedauert, wenn ich nicht die „waschende“ Unterstützung meiner Co-workerin Mia gehabt hätte, die sicherlich jede zwei der drei Kilo Pfannen mehrmals gewaschen hat. Dadurch konnte ich mich wirklich voll und ganz auf die Zubereitung des Essens konzentrieren. Zehn Personen sind im Endeffekt gar nicht so viele, wenn z.B. jeder Fleisch essen würde oder man sagen könnte, man hat z.B. zwei Vegetarier. Nicht so in meinem Haus….im Endeffekt waren es rund 4 Hauptspeisen, 5 Beilagen und ein Salat. Da die einen kein Fleisch essen, dafür aber Fisch, dann aber nicht jeder nicht jeden Fisch und dann halt noch nichts, was jemals gelebt hat. Am Ende hat es dann aber doch auch alles irgendwie ohne anbrennen geklappt und das diesjährige Christmas Dinner sah dann in etwa wie folgt aus:
Beilagen
„Radicchio und Rucola Salat mit einem Regenbogen
des Garten, Pinienkernen und gebratenen Champignons“
-
„Gedämpfter Rosenkohl und Möhren
an einer Bernaise-Minz-Sauce“
-
„Pastinak (weiße Karotte)mit einer Honig-Sesam Marinade“
-
„Gebackene Kartoffel-Ecken mit Knoblauch, Rosmarin
und gutem Olivenöl“
-
„Selbstgemachter Rotkohl nach Oma´s Art mit einer
Weißwein Note von mir“
-
„Servietten Knödel aus weißem Brot
mit Zwiebel-Varietäten (Zwiebel, Lauch, Frühlingszwiebeln),
Oliven angereichert und
französischer Petersilie verfeinert“
Hauptgänge
„Entenfilet á l´Orange“
-
„Thunfisch-Steak gegrillt
in einer Estragon-Balsamico-Marinade“
-
„See-barsch in Knoblauch-Olivenöl
mit franz. Petersilie und Minze“
-
„Herzhaft gefüllter vegetarischer Kuchen“
Das müsste es dann eigentlich alles zum Christmas Dinner gewesen sein. Nun ja nicht ganz, nachdem ich dann endlich am Essenstisch Platz genommen hatte, viel mir etwas Verwunderliches auf. Eine Serviette hat wie aus dem nichts Feuer gefangen und lag vor mir im Flammen. Da ich aber absolut erschöpft war hab ich einfach das ganze Ding genommen, auf den Boden gelegt, ausgetreten und dann endlich gegessen. Und die Arbeit hat sich gelohnt kann ich sagen…
Heute hieß es dann endliche einmal nichts tun und die Beine hoch legen, es war wohl der stressfreiste Tag der diesjährigen Weihnachten. Zusammen mit zwei anderen Häusern sind wir auswärts Essen gegangen und haben uns noch einmal den Bauch ungezügelt voll geschlagen, am Ende vor allem mit traditionellem englischem Nachtisch. Anschließend haben wir uns noch eine Aufführung von „Schneewittchen und den sieben Zwergen“ angeschaut…
Dabei handelte es sich aber nicht um eine gewöhnliche Aufführung, in England gibt es die traditionellen „Pantomine“ Theaterstücke. Dabei wird alles ein wenig überspielt und man sieht mindestens eine Drag-Queen auf der Bühne. Man kann es sich ein wenig wie „Shrek“ live vorstellen.
Nun ja, jetzt sitze ich hier und schreibe nach langer Zeit mal wieder einen Blog-Eintrag, meine Gedanken sind nicht ganz bei mir zu dieser Zeit im Jahr aber ich Blicke sehnsüchtig auf meinen bevorstehenden Urlaub in knapp zehn Tagen und es geht nicht nach Hause…
In diesem Sinne einen schönen Abend und mir selbst einen guten Appetit zu scharfen koreanischen Nudeln.
“Merry Christmas and a happy new Year”
The first Conclusion
11. November 2009
Seit meinem letzten Eintrag ist nun schon einiges an Zeit ins Land gegangen und vor allem bin ich hier nun schon eine ganz schön lange Zeit. Wenn man es ganz genau nimmt, dann auf den Tag genau, drei Monaten. Drei Monate in denen sich nicht nur die Jahreszeit verändert hat. Es wird wohl Zeit für ein erstes Resümee.
Nun, wie gesagt, auf den Tag bin ich nun schon drei Monate hier in London und es hat sich wohl einiges in meinem Leben verändert. Der Tag der Abreise ist mir zwar immer noch mit sehr vielen schönen Eindrücken in sehr guter Erinnerung aber scheint er doch weit mehr als nur drei Monate her. Ich glaube, ich hatte es nach meinem ersten Monate schon einmal erwähnt, dass mir alles jetzt schon wie ein Jahr vorkommt. Zwar kommt es mir jetzt nicht wie drei Jahre vor aber frage ich mich doch, wie langsam die Zeit für mich zu Hause bei einem normalen Zivildienst vergehen würde.
Nun ja, wie auch immer mein Zeit Gefühl nun ist, ich habe in diesen drei Monaten jetzt schon eine deutliche Entwicklung bei mir gespürt. Vor allem zeigt sich dies wohl in einige Bereichen, wie Verantwortung, Unabhängigkeit & Selbstständigkeit, „Horizont“…
Die Verantwortung zeigt sich ganz klar und relativ einfach zu erkennen in meiner Tätigkeit hier. Ich bin verantwortlich für mehre Menschen die deutlich älter sind als ich und vor allem auf diese Übertragung der Verantwortung auf dritte angewiesen sind. Zwar sind die meisten Residents hier recht selbständig, doch wüssten sie einigen Fällen nicht, wie sie mit der Verantwortung für sich selbst umgehen würden. Hier sind es die scheinbar kleinen und für die meisten Menschen nebensächlichen Dinge die die Unterstützung essentiell notwendig machen. Handelt es sich nun um das tägliche Essen & Abwasch, die Vergabe der richtigen Medizin, die Begleitung in eine Stadt, der Einkauf für die kommende Woche oder das einfach alles irgendwie funktioniert was für uns selbstverständlich ist, wie eine glühende Birne.
Unabhängigkeit & Selbständigkeit gehen meist Hand in Hand. Selbständig kann man nur sein, wenn man weites gehend unabhängig ist. Und wenn man unabhängig ist, ist es unabkömmlich selbständig zu sein. Zwar habe ich mir zu Hause über Jahre versucht Unabhängigkeit im wahrsten Sinne des Wortes zu erarbeiten aber aufgrund der Tatsache, dass es nicht nötig gewesen wäre, kann man kaum von Unabhängigkeit sprechen. Hier ist es notwendig, sofern ich bleiben und dieses Jahr zum Abschluss bringen möchte. Unabhängigkeit bedeutet für mich nicht, alle Freiheiten der Welt zu haben, es bedeutet für mich, sich alle Freiheiten der Welt selbständig erarbeiten zu können. Möchte ich also meine Unabhängigkeit behalten, muss ich mich an die Regeln halten, die diese für mich ermöglichen, oder mit den Konsequenzen leben. „Dreckige Wäsche“ ist eigentlich an ganz gutes Beispiel, um ganz im einfachen über Selbstständigkeit zu reden. Hab ich mich zu Hause wirklich ein einziges Mal darum gekümmert? Ich bezweifle es wahrhaftig. Hier musste ich es von meinem ersten Tag an. Eigenverantwortlichkeit ist hier unumgänglich, es gibt niemanden wirklich, der mir sagt, wann ich wann was zu tun habe. Sicherlich gibt es einen groben Rahmen, aber wie ich darin verfahre, ist mir selbst überlassen. Angesichts der Tatsache, dass ich mich durch meine letzten Schuljahre alleine gebracht habe und seit Jahren schon gearbeitet habe, würde ich das neue Maß an Selbständigkeit nicht zu hoch ansetzen. Doch wie gesagt, es sind hier auch die kleinen Dinge des Lebens die einen verändern.
Nun wohl neben der Verantwortung mit zum wichtigsten Punkt, dem „Horizont“. Es ist einfach so vieles, was nun vollkommen anders und immer noch neu & aufregend ist. Es ist London mit seiner Internationalität und Einzigartigkeit, der ständige Gebrauch einer anderen Sprache, der Umgang mit Menschen die zum Teil in ihrer eigenen Welt leben und Unterstützung brauchen, generell das ein wenig „andere“ Leben hier in meiner Dienststelle, und vor allem die Begegnung mit der Welt, wenn ich über die verschieden Menschen nachdenke mit denen ich hier arbeite & lebe. Die ständige Kommunikation mit Menschen aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Ideologien und verschiedenen kulturellen Hintergründe ist wohl auch einer der großen Punkte, die das Leben hier nicht vergleichbar machen mit dem Leben daheim. Umgeben bin ich hier ständig von natürlich England aber auch Südkorea, Kolumbien, Israel, Ungarn, (Deutschland) und wenn ich mich nicht nur auf die Co-Worker beschränke von Kanada, Amerika, Italien, Südafrika. (Als kleine Nebenbemerkung: Was man nicht vergessen darf, ist die Tatsache, dass diese Begegnung nur durch die gemeinsame Sprache möglich ist, sollte meiner Meinung nach in der Schule noch etwas mehr vermittelt werden.) Meine Südkoreanische Co-„Workerin“ hat es einmal ganz gut & simpel zum Ausdruck gebracht:
„Wären wir zu Hause geblieben wüssten wir nicht einmal von der Existenz des anderen und würden uns niemals Gedanken darüber machen.“
Natürlich ist weiß auch jetzt noch nichts von der Existenz von Milliarden von anderen von Menschen, doch mein Blick auf die Welt verändert sich. Zwar war die Welt früher nicht an der Grenz zu Düren oder Heinsberg für mich zu Ende aber ein wenig war es ja doch schon so, dass sich alles immer nur in Aachen für mich abgespielt hat. Jetzt diskutiere ich über (die nicht Existenz von) Gott & die Welt mit jemandem aus Israel oder England, spreche über Beziehungsproblem mit jemandem aus Ungarn oder entdecke Gemeinsamkeiten mit jemandem, der von der anderen Seite der Erde kommt.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das vermitteln konnte, was ich vermitteln wollte. Es ist einfach verdammt schwierig es Menschen zu sagen und zu erklären, die mit allem dem hier nichts zu tun haben.
Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich annehme, dass ich nach einem Jahr normalen Zivildienst oder gar dem belanglosen Dienst an der Waffe, wohl nicht so weit wäre, wie ich es jetzt schon bin. Dass wenn ich vor drei Monaten nicht ins Ausland gegangen wäre, ich wohl etwas verpasst und in dieser Form wohl nie wieder in meinem Leben erfahren hätte. Und naja, wie bereits erwähnt, ich habe mich verändert, doch egal ob nun viel oder wenig, im Kern ist immer etwas da, was mich immer zu den Leuten zurück bringt, die mir wichtig sind oder von denen ich denke, dass sie es sind.
In diesem Sinne noch einen erholsamen Abend und eine „schöne“ neue Karnevalssaison
Niklas D.
The first Row
25. September 2009
Es gibt manchmal Tage oder Ereignisse im Jahr auf die man sich schon lange Zeit vorher freut, der 18. September 2009, also der vergangene Freitag, war so ein Tag für mich. Seit Mai hab ich mich auf diesen Tag gefreut und habe immer gelächelt, wenn ich ein kleines Stück Papier gesehen habe. Letzte Woche hieß es für mich auf zum Wembley Stadium, um wohl eine der erfolgreichsten und populärsten Bands unserer Zeit zu sehen. Letzte Woche sah ich Coldplay in Wembley und das von der ersten Reihe aus…
Der letzte Freitag begann, wie jeder Freitag, mit Kopfschmerzen. Was in den meisten Fällen daran liegt, dass der Freitag meistens der freie Tag der Coworker ist und wie dann das allwöchentliche Donnerstagabend-Programm gestaltet wird, muss wohl nicht weiter erläutert werden. Nachdem ich meine Kopfschmerzen mit einem guten Frühstück und ein paar Paracetamol überwunden habe, habe ich mich gegen Mittag auf den Weg zum Wembley Stadium gemacht.
Als ich in Wembley ankam war, ich zunächst einmal von den riesigen Ausmaßen dieses Stadiums beeindruckt, dass man es komplett mit Besuchern für ein Konzert füllen könne, erschien mir etwas unglaubwürdig. Eigentlich war es mir aber auch egal, ich wollte nur möglichst weit vorne mit dabei sein. Deswegen war ich auch schon ca. drei Stunden vor Einlass am Eingang B/C. Die folgenden drei Stunden habe ich dann mit Cookies, Italienern und Karl Marx totgeschlagen. Um 16:00 Uhr wurden die Tore geöffnet, gegen 16:03 Uhr stand ich mit einem breiten Lächeln in der ersten Reihe.
Um halb sechs begann das Konzert bzw. wohl eher das kleine Festival mit der ersten Vorgruppe des Abends. Es sollten später drei werden (wovon normalerweise zwei, Vorgruppen vor ihrem Auftritt haben).
Die erste – White Lies:
Ich kann mir in etwa vorstellen, wie nervös man ist, wenn man als Vorgruppe von Coldplay und dann noch vor zentausenden von Menschen auftreten muss. Die Nervosität ließen sich die vier jungen Herren aber nicht anmerken und kamen erst einmal selbstbewusst, jeder mit einer Flasche Becks, auf die Bühne. Kurze Zeit später heizten sie die Stimmung im Stadium mit gutem Indie Rock richtig an und waren selbstbewusst genug um zu fragen, wer den für Coldplay gekommen wäre…Tosender Applaus war die Antwort.
Die zweite – Girls Aloud:
Die britische Version der NO-Angels in jung, attraktiv und, wie mir gesagt wurde, seit Jahren extrem erfolgreich. Mehr muss wohl nicht gesagt werden, um den Musikstil zu beschreiben. Naja, es war in Ordnung aber nicht wirklich mein Geschmack, zumindest was meine Ohren betrifft…
Die dritte – Jay Z:
Wohlgemerkt, es handelt sich hier immer noch um eine Vorgruppe! Das erste was ich hörte, war wie der Bass drei Meter vor mir anging. Das letzte was ich hörte, war wie der Bass sich nach etwa zehn oder zwölf Songs wieder beruhigte. Dazwischen hatte man den Eindruck, man befindet sich wirklich auf einem Konzert von Jay Z. Es war ein Wahnsinns Auftritt und nicht wirklich der einer Vorgruppe.
Gegen 20:55 Uhr war es dann endlich soweit, Coldplay betraten die Bühne. Spätestens jetzt konnte wohl kein Anwohner mehr schlafen…
Das Konzert war einfach nur atemberaubend und die Stimmung unbeschreiblich. Musik kann eines ganz besonders und das ist Verbindungen zwischen Menschen schaffen. Es ist einfach nur unglaublich und ein wenig furchteinflößend zugleich, wenn schätzungsweise 45.000 oder 50.000 Menschen einen Song singen und das nicht nur einmal. Ich weiß nicht, wann ich keine Gänsehaut hatte. Und ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, wie das Gefühl für die Band selbst sein muss, wenn zehntausende von Menschen ihre Songs singen. Nun noch ein paar direkte Worte zum eigentlichen Konzert.
Coldplay besitzen einfach nur eine unglaubliche Energie auf der Bühne und wissen, wie sie die Leute mitreißen können. Eine leichte Bodenständigkeit ist auch zu verspüren, zumindest im Gegensatz zu der ein oder anderen Vorgruppe des Abends. Und was sich natürlich immer sagen lässt, Live ist eine Band meist noch besser, als sie eh schon ist.
Solang die Band schlecht ist, kann die Bühnenshow noch so gut sein, das Konzert retten wird sie nicht mehr. Ist die Band aber gut, versüßt eine gute Bühnenshow ein Konzert, wie ein guter Rotwein das Essen… Hunderte Metergroße gelbe Bälle die durch die Luft fliegen (erratet mal zu welchem Song), Millionen von Papierschmetterlingen die in die Nacht geschossen werde und natürlich Sachen wie ein kleines Feuerwerk waren Teil der Bühnenshow.
Irgendwann hat aber alles Mal ein Ende und so befand ich mich gegen halb zwölf, mit zehntausenden von Menschen, auf dem Heimweg von einem großartigen Konzert. Nur eines hat mir gefehlt und das wurde mir auch bei dem einen oder anderen Song bewusst…
In diesem Sinne,
See you soon…
The First Month…and a little bit more
15. September 2009
Der erste Monat ist vorbei, geschafft, überstanden? Getrennt von Familie, Freunden und Freundin. Neue Menschen kennen gelernt, Verantwortung für andere Menschen übernommen. Ein Gefühl, als wäre ich schon seit einem Jahr hier…
Also ganz so schlimm ist es dann doch noch nicht. Zwar fühle ich mich wirklich schon so, als wäre ich hier schon seit einer sehr langen Zeit, doch vergeht die Zeit, bis jetzt, rasend schnell. Warum es mir dann nicht wie eine Woche vorkommt, kann ich wohl nur dadurch erklären, dass sich mein Leben in einigen Bereichen grundlegend geändert hat und ich jetzt schon einen ganzen Sack mit Erfahrungen schnüren könnte.
Was sich wohl am gravierendsten geändert hat ist die Sache mit der Verantwortung. Natürlich bin ich auch nicht mehr der Jüngste und soweit für mich selbst verantwortlich. Aber wirklich verantwortlich für anderen Menschen war ich bis jetzt noch nicht. Und erst recht nicht für Menschen die mindestens zwei Mal so alt sind, wie ich. Bis jetzt war es immer Mama, die für mein leibliches Wohl gesorgt hat, jetzt bin ich es, der für das leibliche Wohl von sieben bis zwölf Personen sorgt. Musste mir bis jetzt manchmal gesagt werden, dass ich doch auch ruhig mal öfters Staub putzen könnte, bin nun ich es, der auf so etwas aufmerksam macht. Nur mach ich niemanden darauf aufmerksam, der jünger ist als ich…
Ich denke für jeden ist es natürlich Verantwortung für jüngere Menschen zu übernehmen, doch ich kann euch sagen, im ersten Moment ist es vollkommen unnatürlich, dies für ältere Menschen zu tun. Wurde einem doch bis jetzt immer gesagt mit dem Alter kommt die Weisheit. Versteht mich bitte hier nicht falsch, manche Bewohner sind hier richtig fit und haben besondere Fähigkeiten und manchmal einzigartige Talente. Doch ein wirklich schönes Leben, für die Bewohner, wäre ohne Betreuung wohl nicht möglich.
Bin ich bis jetzt wohl etwas zu wenig mit meinen Schwestern in die Stadt gefahren, um zum einen mit ihnen Zeit zu verbringen und zum anderen auf sie aufzupassen(zumindest vor zwei bis drei Jahren noch), gehört es jetzt zu meinen Aufgaben dies mit Menschen zu machen die deutlich älter sind als ich. Wie gesagt, im ersten Moment ist es wirklich ungewohnt oder gar ein unnatürliches Gefühl, doch das legt sich, wenn auch nicht ganz. Man beginnt manche Sachen anders zu betrachten.
Es ist wirklich so, dass manche Bewohner bzw. „Residents“ besondere Fähigkeiten oder gar einzigartige Talente besitzen. Zwar hab ich bis jetzt noch nicht jeden beobachten können, der solch eine Fähigkeit besitzt, aber das was ich bis jetzt gesehen und gehört habe ist beeindruckend. Zu diesen Fähigkeiten zählen z.B. ein Lied nach einem Mal hören auf dem Piano zu spielen oder außergewöhnliche mathematische Fähigkeiten bzw. Gedankenleistungen. Natürlich besitzt hier nicht jeder Resident eine wirklich bemerkenswerte Fähigkeit aber sind diese Menschen doch nicht weniger interessant. Hier ist wirklich jeder komplett verschieden und niemand gleicht auch nur annähernd dem anderen (was wohl auch damit zusammenhängt, dass man die Erkrankungen oder Schwächen nicht mehr wirklich in ein paar Gruppen einteilen kann), jeder ist auf seine Art einzigartig, so wie jeder Mensch. Es gibt hier z.B. eine etwas ältere Dame die eine Freundlichkeit, Selbstzufriedenheit und eine „einfach nur gut drauf Stimmung“ besitzt, wie ich sie noch nie zuvor bei einem Menschen gesehen habe. Natürlich gibt es auch ein paar „Residents“ die einem wirklich auf den Keks gehen. Höfliches ignorieren wirkt da manchmal Wunder. Wie allzu oft kann das Leben aber nicht immer nur gut sein…
Nicht immer ist einem hier bewusst, wo man sich eigentlich befindet, weil viele „Residents“ z.B. sehr selbstständig sind. Aber dann passiert etwas, was einem unschön und schlagartig bewusst macht, wo man sich befindet. Ich darf und will nicht über die Details von manchen Bewohnern oder Vorfällen reden. Nur schön sind manche Sachen, die man hier mitbekommt oder die man über die Bewohner erfährt, sicherlich nicht. Denkt man, im einen Moment noch daran, was man eigentlich als „Freiwilliger“ in England bzw. Europa macht, wird es einem im anderen Moment schlagartig klar. Hilfe, Unterstützung und Verständnis wird überall gebraucht, vor allem, wenn sie in manchen Fällen nicht einmal von den eigenen Angehörigen kommt.
Nun ja, der Großteil der Zeit war bis jetzt trotzdem sehr angenehm und vor allem interessant. Und wenn ich darüber nachdenke und rede, darf ich dabei etwas Essenzielles auf keinen Fall vergessen, die ganzen anderen „Co-worker“ hier.
Insgesamt sind wir, glaube ich zumindest, vierzehn oder fünfzehn mehr oder weniger junge Damen und Herren. Leider konnte ich Deutschland nicht ganz hinter mit lassen, es gibt hier eine kleine Mehrheit… Solang man aber darauf besteht oder achtet kaum deutsch zu sprechen, ist es gerade noch so erträglich. Wenn man nicht gerade mit einem deutschen spricht sind hier noch Süd-Korea, Kolumbien, Ungarn, Israel und auch England (ein Bonus für unsere Sprach Optimierung) als Nationen, unter den „Co-workern“, vertreten. Die jüngsten sind wir auch nicht mehr, der jüngste ist achtzehn und der älteste schon fast ein halber Greis, mit seinen dreißig Jahren. Wir verstehen uns im Grunde alle sehr gut. Kommt wohl nicht zuletzt von der gemeinsamen Vorliebe eines Pub Besuches nach einem „anstrengenden Arbeitstag“. Natürlich gibt es hier und da ein paar Sprachbarrieren aber im Grunde wird über alles geredet, zur Not halt mit Händen und Füßen. Meistens ist das „main topic“ der vergangene Tag und was sich eben manche „Residents“ wieder neues haben einfallen lassen, um uns den Tag zu versüßen oder eben auch zu versalzen. Daneben wird aber auch über alles andere geredet und diskutiert, was man eben auch zu Hause mit den Freunden macht. Ganz so wie zu Hause, ist es dann aber doch nicht. Und das liegt nicht unbedingt an der Sprache…
Manche „Co-workern“, haben z.B. schon ein Studium hinter sich oder pausieren (Studienrichtungen sind: Philosophie, Psychologie, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften). Andere kommen vom anderen Ende der Welt und dass es da kulturelle Unterschiede gibt, muss eigentlich nicht erwähnt werden und das es hier eine Vielzahl an verschieden Ideologien gibt auch nicht. Das Alter darf auch nicht vergessen werden, hier treffen das eine und das andere Ende einer Generation aufeinander.
Natürlich könnte es dadurch dazu kommen, dass man nicht wirklich einen Draht zueinander findet oder dass sich Gruppen bilden. Nur das scheint hier nicht Fall zu sein und es liegt eigentlich auf der Hand, warum das so ist. Wir sind fast alle in einem fremden Land, welches wir nicht wirklich kennen. Wir arbeiten alle für fast gar nichts und unterstützen Menschen (die es nicht immer selber können) in der Gestaltung ihres alltäglichen Lebens. Der Schritt ins Ausland zu gehen, zeigt bei uns allen ein wohl hohes Maß an Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und vor allem Welt-Offenheit. Und zu guter letzt, sind wir ebendoch alles junge Menschen, die das Leben genießen und möglichst viele Erfahrungen für ihr späteres Leben sammeln möchten.
Ich glaube, man kann das als ein erstes kleines Resümee betrachten. Eines muss ich aber noch in privater Sache an meine Freunde und Familie los werden. Ich komm nicht wirklich dazu, mich bei jedem zu melden. Und das tut mir Leid. Ehrlich gesagt, denke ich nicht gerade viel an zu Hause. Das liegt nicht daran, dass ich hier mit Arbeit geradezu überhäuft werde oder das ich froh bin endlich da weg zu sein, es ist einfach ein komplett neuer und anderer Lebensabschnitt für mich. Ich werde wohl auch in Zukunft nicht dazu kommen, mich bei jedem zu melden. Aber vielleicht liest der ein oder andere ja doch mal meinen Blog und macht mich hier und da mal drauf aufmerksam, aus welchem netten kleinen Dorf ich doch komme und das dieses Dorf im Gegensatz zu London auch seine Vorzüge hat…
In diesem Sinne wünsche ich noch einen schönen Abend.
To be continued…
p.s. Du fehlst mir ein klein wenig mehr…
London captured
6. September 2009
Heute gibt es (ausnahmsweise mal) keinen endlos langen Eintrag von mir, sondern nur ein paar erste Fotos, die ich in der Zwischenzeit hier gemacht habe. Ich hoffe sie gefallen Euch, es werden nicht die letzten gewesen sein.
-Obviously the Big Ben-
-Leider war es mir bis jetzt vergönnt, mit den für London typischen “Black Cabs” durch die Gegend zu fahren-
-A part of the House of Parliament-
-…hidden Ben-
Die nächsten Bilder sind alle auf dem Anwesen aufgenommen worden, auf dem ich lebe und, ob Ihr es glaubt oder nicht, auch arbeite. Es handelt sich dabei um das “Delrow-House”, am Stadtrand von London.
-The Main-House-
-Pferdekoppel-
-Früchte wohin das Auge auch nur blickt-
-The Big Tree-
So das war es dann auch schon, klein aber ich denke recht fein. Etwas hab ich aber noch für Euch…
-Was Ihr hier seht, nennt sich…
…seit knapp vier Wochen, “British Weather”-
-Der Regenschirm wurde trotzdem schon gekauft-
Just London
30. August 2009
London: Zuhause von 12 Millionen Menschen. Eins der größten Finanzzentren der Welt. Eine Stadt mit einer unglaublichen Vielfalt an verschiedenen ethnischen Gruppen. Eine gestresste Stadt. Zuhause von James Bond. Shopping Paradies für junge Leute, alte Leute, extrovertierte Leute, introvertierte Leute, Ladies & Gentlemen, anders denkende und Ölscheichs. Wohl die Stadt mit dem höchsten Bierkonsum ab fünf Uhr Nachmittags. In seinen Ausmaßen fast so breit, wie die Distanz zwischen Aachen und Köln. Zuhause der Queen und nun auch von mir…
Eigentlich bin ich noch nicht wirklich in der Lage etwas über diese Stadt zu sagen, weil es einfach so viele zu sehen, so viel zu erleben, so viel zu beobachten und dadurch einfach so viel zu verarbeiten gibt.
Als ich vor etwas mehr als zwei Wochen das erste Mal in diese Stadt gefahren bin, war ich natürlich total gespannt auf das, was mich so erwarten würde. Die Fahrt dort hin war erst einmal unspektakulär. Fährt man nach Köln sieht man aus der Ferne den Kölner Dom. Fährt man nach Frankfurt sieht man die Wolkenkratzer. Fährt man nach London sieht man erst einmal nur heruntergekommene Häuser, sehr alt wirkende Tunnel, Gewerbegebiete und vielleicht mal das Wembley Stadium, als Highlight. Steigt man aber dann aus dem Zug und geht in Richtung Untergrund, merkt man schon, dass das hier eine ganz eigene Stadt ist. Kommt man dann, so wie ich, am „Piccadilly Circus“ das erste Mal an die Oberfläche, weiß man, das hier ist eine der großen Metropolen unserer Zeit. Und bevor man auch nur Anfang kann sich ruhig umzusehen, muss man auch schon aufpassen, dass niemand einen umrennt.
Eine gestresste Stadt? Kann eine Stadt gestresst sein? Eigentlich ja nicht aber ihre Bewohner alle mal. Und es scheint so, dass wirklich jeder von diesem Stress, wo auch immer er her kommt, betroffen ist. Es scheint so, dass der einfache Arbeiter, der Student, die Hausfrau und natürlich der Geschäftsmann hier ständig unter Zeitknappheit stehen. Es gibt eine Regel in London, die man nicht brechen sollte und an der man direkt erkennt ob jemand ein Tourist ist oder nicht – „Stand on the right side“ – Ein Hinweis der einem alle fünf Meter auf dem Weg in den Untergrund oder eben an die Oberfläche auf den Rolltreppen des Londoner Nahverkehrssystems entgegenkommt. Den Menschen mit Zeitnot wird dadurch gewährleistet, dass sie sich möglichst schnell auf der linken Seite, an den stehenden Touristen auf der rechten Seite, in den Untergrund hinabstürzen können. Das ganze dient dem Zweck die Tube um 13.45Uhr statt um 13.48Uhr zu erwischen…
Hat man sich aber dann einmal an das Tempo gewöhnt, fällt man als Fremder bzw. Tourist schon gar nicht mehr auf (sofern man nicht von allem möglichen immer ein Foto machen muss). Das ganze liegt einfach daran, weil London wohl jede kulturelle Gruppe, jede religiöse Ideologie und jede Hautfarbe in sich vereint. Man kann hier wirklich hautnah der Welt begegnen. Und dieser Vielfalt scheint man überall zu begegnen. Ganz unten und auch ganz oben. Nur den Mann mit Bowler hab ich noch nicht gesehen. Ich war aber auch noch nicht in der „City of London“ (Achtung: damit ist nicht das Zentrum gemeint sondern ein Stadtteil von London).
Wenn man die Leute fragt, was sie über London wissen ist etwas fast immer dabei. Der Big Ben. Natürlich hab ich es mir nicht nehmen lassen, ihn mir am ersten Tag in London einmal anzusehen. Er ist genauso, wie man ihn aus zahlreichen Filmen und dem Fernsehen kennt und doch irgendwie etwas anders. Man muss nicht erwähnen, dass er eine der Touristen-Attraktionen Londons ist. Als ich aber das erste Mal davor stand, war er mehr als nur eine Attraktion. Ich glaube in diesem Moment hab ich erst wirklich begriffen, wo ich nun für ein Jahr sein werde…
Harrods, Bond St., Jermyn St., Oxford St., Camden Town – sofern man über sehr viel Geld verfügt kann man bei den ersten dreien Einkaufen, sucht man die aktuelle Mode und jede nur erdenkliche Boutique der Welt ist das vierte recht nett, möchte man die ausgefallene Mode der Londoner sehen und kaufen, muss man auf dem Markt in Camden Town gehen. London ist eine Fashion Stadt und wie kann es auch anders sein eine extrem vielfältige.
Harrods sollte jedem bekannt sein, es ist das wohl einzigartigste und teuerste Kaufhaus der Welt. Die Essenshalle im Erdgeschosse ist ein wahrer Traum für Genießer und jede Frau bricht wohl fast in Tränen aus, wenn sie die Schmuckabteilung sieht. Es gibt hier wirklich fast nichts was es nicht gibt. Leisten kann sich der normale Mensch vielleicht mal ein originales Harrods-Handtuch, einen Harrods-Golfball oder eines der zahlreichen anderen Souvenirs aus dem hauseigenen „Giftshop“ kaufen. Alles andere scheint unerschwinglich. Trotzdem muss man sich dieses Kaufhaus einfach ansehen, es ist wirklich einzigartig. Die Bond St. ist von den Marken her kein großer Unterschied zum Harrods, nur hier begegnen einem die wirklichen Kunden nicht wirklich, eher ihre Chauffeure (Eine kleine persönliche Anmerkung zu den wirklichen Kunden der Bond St. und des Harrods. Wer hier Europäer oder Amerikaner vermutet wird in siebzig Prozent der Fälle enttäuscht werden. Überlegt einfach mal, wer die Kunden sein könnten…Öl…). Den Herren der Schöpfung kann ich nur die Jermyn St. empfehlen, dort sind seit Jahrzehnten die Herrenschneider Londons sesshaft.
In der Oxford St. kann man dann auch mal, als normal sterblicher, anfangen Geld auszugeben, so gut wie jede Modemarke der Welt ist hier vertreten. Camden Town ist der Treffpunkt für die Jugend und alle die etwas anders denken und sind. Hier gibt es die zum Teil sehr schrille & einzigartige Mode Londons. Darüberhinaus gibt es hier zahlreiche kleine Imbiss-Buden, die Leckereien aus aller Welt verkaufen.
Angenommen man teilt seinen Tag so auf, dass man ein wenig Sightseeing am Morgen hat, dann einen kleine Shoppingtour am Mittag durchführt, zwischendurch noch etwas isst, was macht man dann am späten Nachmittag? Es gibt eigentlich nur eine Sache die man ab ungefähr fünf oder halb sechs in London machen kann. Man sucht den nächsten Pub auf und mischt sich unter die Leute. Ich weiß nicht warum es so ist, aber ab dem späten Nachmittag scheint es wirklich so, dass halb London in irgendeinem der unzähligen Pubs sitzt. Aber es ist eine angenehme Atmosphäre. Der Name Pub ist nicht einfach nur so die Abkürzung für „public place“. Mit einer Kneipe in Deutschland ist das nicht zu vergleichen. Mischt man sich dann unter die Leute und redet mit ihnen, kommt irgendwann der Punkt wo man sich als ein Teil dieser Metropole fühlt.
Ich zumindest, muss irgendwann wieder aus London rausfahren und sobald ich wieder in Delrow angekommen bin, kommt mir alles unglaublich langsam vor…
Ich weiß, dass ich etwas unglaublich wichtiges und weltbekanntes aus London bisher gar nicht erwähnt habe. Den Buckingham Palace. Ich bin tatsächlich noch nicht dazu gekommen ihn mir anzusehen. Aber ich bin ja auch noch nicht zum Tee mit einer gewissen alten Dame verabredet, also kann das noch ein wenig warten.
To be continued…
The first Impressions
19. August 2009
So da war ich nun, fremd und allein in einem doch etwas fremden Land (Nicht nur weil sie auf der falschen Straßenseite fahren…). Wie bereits gesagt, ich blieb nervös bis ich die Einrichtung „Delrow-House“ und mein Haus „St. Johns“ erreichte hatte. Doch nachdem ich die ersten Bewohner und meine Hauskoordinatoren kennen gelernt hatte, wich der Nervosität recht schnell Erleichterung.
Und mein Timing hätte fast nicht besser sein können. Platzte ich doch mitten in die Vorbereitungen für ein kleines Geburtstagsessen für eine der „Residents“. Sofort wurde ich in die Arbeit mit eingebunden, meine Koffer standen noch auf dem Flur. Nach dem Abendessen und einem, für mich, etwas verstörenden Tischgebet ging es an das Koffer auspacken. Zwischendurch hatte ich auch schon ein paar andere „Coworker“ kennen gelernt und wie hätte es anders sein können, gingen wir zu einem der örtlichen Pubs.
Hatte ich bereits erwähnt, dass fast alle in meinem Haus mich darauf angesprochen haben, dass ich doch gerne koche würde? Nein? Ist ja auch egal. Jedenfalls ist es so und nun bin ich sozusagen der „Head chef of the kitchen“. Nur muss ich mir langsam mal ein paar Kochbücher ansehen, weil mir die Ideen für die improvisierte Küche ausgehen.
Am nächsten Morgen hieß es dann um viertel nach sieben aufstehen (eine der ungeliebten Erinnerungen an die Schulzeit) und Frühstück vorbereiten.
So in etwa, mit ein paar Abweichungen hier und da, beginnt jeder Tag in „Delrow“. Ich versuche euch nun einen groben Überblick über das zu geben, was ich bis jetzt so gemacht habe.
Wie bereits erwähnt, steht man recht früh auf und bereitet das Essen für die „Residents“, für sich und gegebenenfalls auch für die Hauskoordinatoren vor. Natürlich heißt das als aller erstes heißes Wasser, für den täglichen Begleiter der Briten, aufsetzten. Wer ist wohl gemeint? Kein Ahnung? Wirklich niemand weiß es? Ok ich verrate es euch, es ist, ob ihr es glaubt oder nicht, der Tee…
Sofern es Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag ist machen die „Residents“ sich, nach dem Frühstück, fertig für ihre Workshops. Die „Coworker“ arbeiten & unterstützen ebenfalls in den Workshops, sofern sie nicht für das jeweilige Mittagessen in ihrem Haus zuständig sind, so wie ich. Für mich heißt das dann, etwas mehr Zeit für mich und fröhliches Gemüse schnippeln am Morgen – Leider gibt es immer noch Vegetarier(Ist nicht böse gemeint) – Zum Glück gibt es aber ab und zu auch Fleisch oder so wie letzten Samstag frischen Fisch.
Gegen Mittag finden sich alle wieder im Haus ein und man isst zusammen zu Mittag. Nach dem Mittagessen hat jeder etwas Zeit für sich, eh die zweite Runde der Workshops beginnt.
Am Nachmittag gehe dann auch ich zu einem der Workshops. Ich wurde der hohen Kunst der Korbflechterei zugeteilt. Nur leider kam ich bis jetzt noch nicht in den Genuss dieser, weil der dafür zuständige Leiter zurzeit nicht da ist. Ich hab ihn aber in den ersten Tagen kennen gelernt und er macht einen sehr netten Eindruck auf mich, so wie fast alle hier.
Am Abend finden sich alle wieder zu Cracker, Tea & Cheese, Wallace und Gromit lässt grüßen, im Haus zusammen. Nach dem Abendessen hat man eigentlich frei, nur einer der zwei „Coworker“, die jeweils in einem der Häuser leben, muss bis neun Uhr auf das Haus und die Bewohner aufpassen. Währenddessen kann man aber eigentlich machen was man will. Die meisten “Coworker” bevorzugen da die gepfelgte Konversation mit dem Festland, ein gutes Buch oder eben, wie so oft, eine Tasse Tee…
Montags heißt es, ab September zumindest, „Foundation Courses“ für die „Coworker“ und „College“ für die „Residents“. Freitags ist normalerweise der „Off-Day“ der „Coworker“, d.h. normalerweise Donnerstag Abends und sobald man wieder fit ist am nächsten Tag London! Die „Residents“ gehen auch am Freitag ins „College“ (Ich kann mir noch nicht wirklich viel darunter vorstellen, werde es mir aber mal ansehen und dann berichten). Das Wochenende ist wirklich dazu da, wozu es auch gedacht ist, zum entspannen. Man steht später auf, unterstützt die „Residents“ lediglich beim sauber machen ihrer Zimmer, was aber eigentlich jeder sehr gut eigenverantwortlich macht und geht am Nachmittag zusammen mit ihnen zum Kaffekränzchen, welches jede Woche von einem anderen Haus ausgerichtet wird. Zwischendurch hat man wirklich genügend Zeit für sich selbst und kann zumindest jetzt noch ein Buch bei wunderbarer Sonne genießen. Bis jetzt hab ich wirklich das Gefühl, dass das britische Wetter nur ein Klischee ist…
Sicherlich hab ich jetzt einige Dinge vergessen aber ich wollte euch ja auch eigentlich nur mal einen groben Einblick in das geben, was ich hier so bis jetzte gemacht habe. Nun vielleicht noch das ein oder andere im allgemeinen.
Ich bin wirklich überrascht, wie selbständig viele der „Resindents“ sind. Das hatte ich wirklich nicht erwartet. Wie es in anderen Häusern abläuft kann ich noch nicht genau sagen, nur in meinem Hause helfen fast alle „Residents“ tatkräftig mit. Sie nehmen einem beim Abwasche einen Teil der Arbeit ab und helfen wirklich gerne mit. Vor allem ist es schön zu sehen, wie sehr manche genau das genießen, einfach „normal“ behandelt zu werden.
Viel zu erzählen haben alle, sie lieben es geradezu über sich und alles andere groß zu berichten. Manchmal ist es etwas schwer ihnen zu folgen, weil sie entweder von Thema A zu Thema Z springen oder weil man der englischen Sprache noch nicht so mächtig ist. Hier helfen die einfachen „Türöffner“…
So das müsste es fürs erste gewesen sein oder etwa nicht? Achja! Der Teekonsum ist hier wirklich massiv und „Tee-Time“ hört man nicht nur einmal am Tag, dann heißt es wirklich: Arbeit niederlegen! Erinnert mich ein wenig an manch südamerikanische Mentalität aber wir haben ja alle keine Vorurteile… Eigentlich ist es ganz nett, nur nervig ist schon, wenn man grad mitten in der Arbeit steckt und gar nicht aufhören möchte. Aber so ist es nun einmal, andere Ländern andere Sitten…
Eins hätte ich ja fast vergessen…Die ersten Erfahrungen mit London…
To be continued…
The Time before London
16. August 2009
Neben der Schule war für mich ein Thema im letzten Jahr von großer Bedeutung. Das nächste Jahr, welches ich im Ausland verbringen wollte. Nun bin ich in London gelandet…
Vor rund einem Jahr habe ich den Entschluss gefasst meinen „Zivildienst“ im Ausland zu verbringen. Es ist nicht offiziell ein Zivildienst im Ausland, sondern ein Freiwilliges Soziales Jahr nach §14c ZDG im Ausland. Aber mit ersteren kann man den Leuten einfacher erklären was man so in naher Zukunft treiben wird.
Am Ende alles zu organisieren und vor allem am Anfang unzählige Dokumente zu beantrage, zahlreichen Bewerbungen zu schreiben und sie in alle Welt zu verschicken, hat mich ganz schön viel Zeit und auch Energie gekostet. Desöfteren musste man zum Amt gehen, weil manche Organisationen z.B. ein Führungszeugnis wollten. Nicht weniger oft, war ich besonders lieb zu ehemaligen Lehrern, damit diese eine Referenz über mich und mein Fähigkeiten schrieben. Als ich mich dann überall beworben hatte, hieß es warten, warten und nochmals warten. Nach mehreren Jahren, so schien es mir zumindest, und ein paar Anrufen, ob den meine Bewerbung auch angekommen sei, bekam ich dann auch die ersten Antworten aus teilweise sehr fernen Ländern (Ich meine jetzt nicht England). Im März erhielt ich dann auf einen Schlag, d.h. in einer Woche, mehrere Angebote von Einrichtungen aus dem Ausland. Letzten Endes, hab ich mich für das „Delrow-House“ in der Nähe von London entschieden. Nicht zuletzt wegen der recht attraktiven Lage.
Aber da war doch noch was? Ach ja…Abitur! Mit der Zusage stürzte ich mich, mit Erleichterung und voller Elan, in den Stoff von mehren Jahren Schule…
Nach bestandenem Abitur, mit einem gar nicht mal so üblen Schnitt, kam dann Ende Juni die Einladung, von meiner Trägerorganisation in Deutschland, zu einem Vorbereitungsseminar in Frankfurt am Main.
Nachdem ich die Einladung gelesen hatte und mir ein wenig Gedanken über die Sachen gemacht habe, die Bestandteile des Seminars sein sollen, wusste ich nicht wirklich was ich davon halten sollte. Vor allem der übernatürliche Teil der Anthroposophie erschien mir etwas suspekt. Was mir im Vorfeld auch ein wenig Sorgen bereitet hat, war der Gedanke an die anderen Seminarteilnehmer. Ich wusste nicht wirklich was für Typen ich dort antreffen werde, vielleicht nur Ökos, Waldis und Alternative?
Dem war zum Glück nicht so (Natürlich waren Waldorf-Schüler da aber allesamt sehr nette und stattliche junge Herren), ich war mit meinem Schluss etwas zu vorschnell. Aus allen Teilen Deutschlands, bis auf aus dem abtrünnigen Süden, kamen insgesamt neunzehn junge, wilde und natürlich überdurchschnittlich attraktive Männer am „Hof“ in Frankfurt zusammen. Schnell erkannte man gegenseitige Sympathie und so führte der Weg am frühen Abend nicht selten zum örtlichen Rewe, um am Abend auch ja nicht zu verdursten. Tagsüber hieß es dann Eurythmie oder auch von mir Eurythmologie genannt (Peinlich, wenn man, also ich, sich über etwas negativ äußert ohne es zu kennen und es dann noch falsch ausspricht) mit David R., Improvisationstheater mit Heda-Haus, mittags den Abwasch machen, Pädagogik mit Claudia und interessante Diskussionen mit Justus. Es war sehr oft sehr lustig (insbesondere Eurythmie und Improvisationstheater) und sehr interessant (Pädagogik und allgemeine Diskussionen). Bei kontroversen Themen, wie dem bereits angesprochenen übernatürlichen Teil der Anthroposophie, ging es im Plenarsaal hoch her, wobei der ein oder andere auch manchmal etwas zu scharf formulierte. Nichts desto trotz war das Verhältnis mit den anderen Teilnehmern richtig gut und ich denke, dass hier und da vielleicht Freundschaften entstehen können. Auch wenn man zurzeit nicht soviel Kontakt hat, weil man quer über den Globus verteilt ist.
Dann kamen die letzten zwei Wochen zu Hause und was soll ich schon sagen, ich habe sie einfach nur genossen. Ich habe recht viel Zeit mit meiner Familie verbracht, vielleicht etwas mehr als sonst, hab das leckere Essen von Mama genossen und viel mit unserem neuen Familienmitglied gespielt. Dann ist da ja seit ein paar Wochen auch jemand neues… Ich hoffe wir haben in Zukunft noch öfter so schöne und intensive zwei Wochen.
Die Abschiedsparty – very british – was anderes, zumindest zum Wetter, fällt mir gerade nicht ein. Ansonsten war es ein wirklich schöner Abend mit der Familie und eine wirkliche schöne und feucht fröhliche Nacht mit den Freunden. Hoffentlich sieht man sich wieder…
Dann kam der 11. August 2009 – der Tag der Abreise. Mir ging es am Morgen recht gut, allen anderen um mich eher weniger, ausgenommen mal von unserem kleinen Welpen. Auf dem Weg zum Flughafen, wurde auch ich dann ein wenig nervös aber von Abschiedsschmerz war noch nicht die Rede. Natürlich waren wir viel zu früh da, also tranken wir noch etwas zusammen und ich rauchte eine vorerst letzte Zigarette mit meinem Vater. Ich machte ein paar letzte Bilder mir Ihr und dann hieß es langsam auf in Richtung Gate B. Auf einmal waren die Gefühle da, als ich meine Schwestern, meine Eltern und zuletzt Sie umarmte. Beschreiben kann man es nur sehr schwer, nur schön ist es nicht. Der letzte Kuss…intensiv. Der letzte Blick…einprägend. Und dann…einmal bitte Tasche ablegen, Arme ausstrecken, Gürtel auf, Fußsohlen anheben.
Als ich es dann endlich durch die Sicherheitskontrolle geschafft hatte (meine Tasche musste nochmal von Hand durchsucht werden, weil meine Spiegelreflex wie eine Waffe aussah) hörte ich noch ein wenig Musik, stieg dann irgendwann in den Flieger ein und eh ich mich versah war ich am größten Flughafen Europas – London Heathrow – angekommen.
Jetzt hieß es erst einmal orientieren und möglichst alle Koffer und Taschen beisammen halten. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich die richtige Bushaltestelle gefunden und nach einer weiteren halben Stunde kam auch endlich der Bus, der in meine Richtung fuhr. Seltsamerweise aber auf der falschen Straßenseite… Die Nervosität blieb, bis ich schließlich meine Einrichtung, das „Delrow-House“ in Aldenham (Watford, nahe London) erreicht hatte.
To be continued…
